Egon Wellesz: Oktett für Klarinette, Fagott, Horn, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass op. 67

Ein Bassist schwärmt von seiner Mugge (Konzert), eine Bassistin lässt sich von der Begeisterung anstecken: So kommt es, dass Sie am 8. Dezember 2016 im Kühlhaus Berlin ein Oktett von Egon Wellesz hören werden.

Wellesz – wer ist denn das, was ist das für einer, habe ich mich gefragt. Sehr leicht wird es einem ja zunächst nicht gemacht. In meinem Lexikon wird er gerade mal mit den Eckdaten erwähnt.
Auf den einschlägigen Internetseiten, die ich dann finde, gibt es auch nur kurze Artikel über Welleszs Leben. Erst die englischsprachige Seite über „Verbotene Musik“ liefert mir einen tiefergehenden Artikel über diesen fast vergessenen, umtriebigen und sehr vielseitigen Komponisten und Musikwissenschaftler:

Er wurde 1885 in eine wohlsituierte jüdisch-ungarische Familie in Österreich-Ungarn geboren und saß laut Überlieferung als Kind schon auf Brahms‘ Schoß. Als 14-Jähriger hörte Egon den „Freischütz“ unter der Leitung von Gustav Mahler und beschloss, Komponist zu werden.
Nach größtem Interesse an der barocken Oper landete er als Schüler gemeinsam mit Webern und Berg bei Arnold Schönberg. Durch seinen Kontakt zu Matthias Hauer wurde Schönberg mit der Idee der Zwölftonmusik bekannt gemacht, was bekanntlich weitreichende Folgen hatte. Wellesz war Teil der Neuen Wiener Schule, die nach dem zweiten Weltkrieg einen großen Einfluss auf viele bedeutende Komponisten ausübte. Sein Interesse blieb jedoch immer auch der barocken Musik treu, er wurde sogar ein Spezialist und schrieb Bücher über Fux, Gluck, Cavalli und die venezianische Schule.
1908 heiratete er Emmy Stross, eine bedeutende Kunsthistorikerin. Das Interesse seiner Frau für syrische Kunst weckte schließlich auch das Interesse Egon Welleszs für die Ursprünge der westlichen Musik und in der Folge dann auch für die sehr frühe byzantinische Musik. Der gebürtige Jude konvertierte schließlich zum römischen Katholizismus und komponierte danach viel Kirchenmusik.
1938 emigrierte er mit seiner Frau nach England, um der Verfolgung durch die Nazis zu entgehen und kehrte nicht mehr nach Wien zurück, obwohl er dort hochgeehrt wurde und viele Auszeichnungen bekam. Es war für ihn sehr traurig, dass ihm bis zu seinem Tode 1974 niemals mehr seine Professur in Wien, die er vor der Emigration innehatte, angeboten wurde.

1948 baten ihn die Wiener Philharmoniker, ein Oktett zu komponieren. So entstand das Werk, das wir spielen werden und in dem sicherlich auch ein wenig von Welleszs Heimweh zu hören ist.

Ein Beitrag von Stefanie Rau
Foto © Kai Bienert