Eine Kooperation zwischen Musikern des RSB und der Künstlerin Lara Faroqhi

Malerei verwandelt den Raum in Zeit, Musik die Zeit in Raum. (Hugo von Hoffmannsthal)

Unser Kammerkonzert am 19. Januar 2017 beschäftigt sich mit der Fuge innerhalb verschiedener Jahrhunderte, angefangen von Bach im Barock bis Gubaidulina im 20. Jahrhundert. Bachs Kunst der Fuge wird als Ausgangspunkt angesehen; wir arbeiten vor allem mit der ersten Fuge, dem Contrapunctus 1.

Wie können wir bildhaft ausdrücken, was wir tun, was wir dabei denken, was uns bewegt? Kann man musikalisches Tun sichtbar machen, wird es dadurch leichter verständlich? Um Antworten zu finden, müssen wir neue Wege betreten.

In der Zusammenarbeit zwischen Musikern und Künstlerin gilt es, den Prozess unserer Auseinandersetzung mit den ausgewählten Werken zu dokumentieren und künstlerisch zu beschreiben. Dies geschieht mittels filmischer Aufnahmen und gestischer Zeichnungen während der Proben.

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So werden wir Musiker zu Zeichnern, bilden in Strichen und Abdrücken die Bewegungsabläufe der rechten und linken Hand ab; zeichnen den Weg, den wir physisch beschreiten, wenn wir eine Seite Bach spielen.

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Jede Zeichnung gibt etwas wieder von der Persönlichkeit des Musikers: Sie ist mal entschieden, mal sanft, mal analytisch oder emotional.

Die Künstlerin Lara Faroqhi erstellt aus diesen Zeichnungen Siebdrucke, in denen sie unsere zeichnerischen Gesten übereinander druckt und so eine zeichenhafte Wiedergabe der gespielten Musik versucht.

Unsichtbare Wege auf dem Griffbrett – hier bildet Georg Boge die Cello-Stimme aus Bachs Contrapunctus I ab

Der Auftrittsraum wird als Reflexionsfläche unserer Auseinandersetzung genutzt, indem die Zeichnungen raumfüllend präsentiert werden und das Konzert begleiten. Damit öffnet sich dieser Raum, festgefahrene (Spiel)Muster werden aufgebrochen, neue Verbindungen können entstehen.

Uns ist daran gelegen, Musik nicht isoliert stehen zu lassen und sie nicht als fertiges Produkt zu präsentieren. Der Annäherungsprozess, die Probenarbeit und die Beschäftigung mit dem Material werden im Gesamten erfahrbar.

Ein Beitrag von Juliane Manyak & Lara Faroqhi
Fotos © Juliane Manyak / Video © Lara Faroqhi