Mieczysław Weinberg, jüdischer Komponist aus Polen, war ein Flüchtling. Sein Weg führte von Warschau über Minsk nach Taschkent, bevor er sich schließlich in Moskau niederließ. Er floh vor den Nazis, seine Familie blieb in Polen und wurde ermordet.

Doch in Moskau fand er nicht den ersehnten Frieden. Er wurde schikaniert während der Anti-Formalismus-Kampagne der Stalin-Ära, dazu kamen noch die Ränkespiele im sowjetischen Komponisten-Verband.
1953 inhaftierte man ihn unter dem Vorwurf eines „bourgeoisen jüdischen Nationalismus“. Sein Freund Schostakowitsch setzte sich für ihn ein, doch erst nach Stalins Tod wurde Weinberg aus der Haft entlassen. In ihm blieb die Angst, „dass alles wieder geschehen könne, da capo“.

Sein Klaviertrio entstand 1945, ein Jahr zuvor hatte Schostakowitsch sein 2. Klaviertrio geschrieben. Beide Komponisten beeinflussten sich gegenseitig und pflegten freundschaftlich das gemeinsame vierhändige Klavierspiel. Es gibt Momente, wo man spürt, dass es einen regen Austausch zwischen Schostakowitsch und Weinberg gab. Während unserer Arbeit an Weinbergs Klaviertrio verblasste dieser Vergleich jedoch immer mehr.
Uns fasziniert die Feinsinnigkeit seiner motivischen „Mutationen“: Da wird ein jiddisches Lied-Fragment in einer Toccata herumgewirbelt und man darf gespannt sein, als was es endet. Oder ein Fugenthema wird synkopisch zerlegt und auf zwei chromatisch verrutschte Ebenen zerteilt. Das ist absurd.

Trotz des Damokles-Schwertes der Polit-Tragödie, das infolge seiner Biographie ständig über Weinbergs Kompositionen hängt, finden wir einen feinen Humor „in der ganzen Misere.“ Ja, sogar Leichtigkeit kann man in seiner Musik entdecken und etwas tänzerisch Schwebendes. Als hätte er sich schon zu Lebzeiten längst von allem befreit.

Ein Beitrag von Maria Pflüger