Nach dem Sommer setzten wir uns zusammen, brachten unsere Terminkalender mit und versuchten Probentermine zu finden. Da gab es natürlich immer den einen, der sagte: „Was? So viele Proben?“ Der andere sagte: „Naja, streichen können wir immer noch, wenn es zu viel ist.“

Wir vereinbarten also erstmal fünf Proben. Davon sogar zwei fünfstündige. Danach mussten wir einen Probenort finden, was nicht immer ganz einfach ist, weil wir im rbb nicht Hausherren sind, sondern Gäste und weil unser Saal 1 manchmal anderweitig besetzt ist. Die Stimmzimmer sind für acht Leute, die musikalischen Lärm machen, zu klein. Aber schließlich machten wir es uns für die langen Proben im neu renovierten Chorsaal gemütlich.
Bei diesen Proben wurde uns klar, dass wir noch deutlich mehr Proben brauchten. Einzelne Kollegen fanden das zwar nicht, wurden jedoch kurzerhand überstimmt und verdonnert: Insgesamt werden es etwa zehn Proben gewesen sein, in denen wir uns den Wellesz erschlossen haben.

Es ist wichtig, ein Gespür für seine Musiksprache zu entwickeln, für seine Gefühle, die er durch die Musik zum Ausdruck bringt und für die Seele des Werkes. Und das braucht Zeit bei einem Komponisten, der nicht zum normalen Repertoire gehört.

Beitrag und Foto von Stefanie Rau