Montagmorgen, 10 Uhr. Gerade mal zwölf Stunden ist es her, dass Clara, Iris und ich die Bühne der Philharmonie verlassen haben. Die 3. Mahler haben wir noch in den Ohren und auch ein wenig in den Knochen. Aber jetzt heißt es „umschalten auf Zelenka“! Eine ganz andere musikalische Welt erwartet uns. Die intensiven Endproben für unseren Zelenka-Marathon am 9. März beginnen!

Claras Mutter, die Pianistin und Cembalistin Brigitte Engelhard, ist aus Salzburg angereist, damit ist das Ensemble komplett. Noch schnell das Cembalo stimmen, während wir uns einen letzten Espresso gönnen und dann geht es los.

Ein wenig Respekt haben wir immer noch vor der Mammutaufgabe, die wir uns vorgenommen haben. Alle sechs Zelenka-Sonaten werden wir an einem Konzertabend spielen, das will gut geprobt sein. Vor allem muss man sich die Probenzeit gut einteilen, damit jede Sonate ausreichend Aufmerksamkeit erhält.

Als die ersten Takte erklingen, merken alle schnell, dass sich die Vorbereitung zu Hause und die Vorproben bereits gelohnt haben. Es geht zügig voran. Wir alle kennen uns seit vielen Jahren, nicht nur persönlich sondern auch von der Konzertbühne.

Man merkt die enge Verbundenheit: das Ehepaar, Mutter und Tochter, drei Kollegen aus einem Orchester … da kommt eine aufeinander eingespielte Gruppe zusammen.

Man kann unglaublich viel arbeiten an dieser wunderschönen Musik; wir besprechen Tonlängen, Artikulation, den Umgang mit der „Alten Musik“. Jeder hat Ideen, alle hören zu und probieren aus. Mal entsteht im dritten Anlauf plötzlich etwas ganz anderes, etwas Besonderes, nur weil man das Grundtempo ein wenig verändert hat, weil spontan alle an der gleichen Stelle innehalten oder plötzlich gemeinsam wie aus dem Nichts die musikalische Farbe ändern.

Zelenka ist nicht nur Kammermusik, es ist auch immer ein wenig Kampf im musikalischen Sinne. Kampf der beiden Oboisten, abwechselnd versuchen sie die musikalische Oberhand zu gewinnen, buhlen darum, wessen Part gerade der wichtigere ist, abwechselnd taucht mal die eine Stimme auf, dann wieder die andere.

Auch das Fagott ist ein wesentlicher Teil des Trios, es möchte ebenso mitmischen, mitbestimmen, fordert ebenfalls seinen Raum. Darüber, darunter oder darum spannt sich die musikalische Klammer des Continuos, das Fundament, aber es ist noch weit mehr als das: der Herzschlag des Ensembles.

Nach drei Stunden proben ist erstmal Schluss, denn man muss zum nächsten Orchesterdienst: Prokofjew … wieder eine ganz andere Musik.

Doch schon am Faschingsdienstag wird man sich wiedersehen, dann für fünf Stunden Zelenka pur. So langsam kommen wir in Fahrt. In Stimmung sind wir schon lange.

Freuen Sie sich mit uns auf unseren Zelenka-Marathon!

Herzlichst
Florian Grube

Foto (v.l.n.r.): Iris Ahrens (Kontrabass), Florian Grube (Oboe), Bence Bogányi (Fagott) und Clara Dent-Bogányi (Oboe)