Gerade erst war unsere Orchester-Sommerpause zu Ende gegangen, da galt es bereits, den praktizierenden Musiker in uns – jeder hatte seinem Instrument und sich selbst eine mehr oder weniger lange Pause gegönnt –  wieder zu erwecken und schnellstmöglich in Höchstform zu bringen. Als erster Höhepunkt unseres gemeinsamen Vorhabens stand das Lunchkonzert mit Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ in der Berliner Philharmonie am 4. September an.

Gesagt, getan: Die zum Spielen benötigten entsprechenden Muskeln wurden durch Üben wieder antrainiert, das Hirn in Schnelligkeit und Voraussicht auf Vordermann gebracht und, für uns Streicher enorm wichtig, die Hornhaut an den Fingern der linken Hand wieder hergestellt – auch das geht (leider) nur übers Praktizieren.

Und dann natürlich erst die richtige Arbeit am Stück: Nicht nur ist die „Verklärte Nacht“ unter technisch-virtuosem Aspekt äußerst anspruchsvoll, sondern ist ebenfalls eine Musik, die sehr genau ausbalanciert und abgeschmeckt sein will. Das betrifft neben Temporelationen der einzelnen Abschnitte und erforderlicher Übergänge von einem zum nächsten auch die Stimmen abwechselnd in ihrer solistischen Präsenz oder eher unterstützenden Qualität so zu arrangieren, dass ein möglichst vielfältiges, dennoch aber ‚übersichtliches′ Hörresultat entsteht. Anhand der programmatischen Bezüge zum fünfstrophigen Gedicht Dehmels, lassen sich beim Spielen und natürlich bestenfalls auch beim Zuhören im Konzert bestimmte Stimmungen, Empfindungen sowie äußere Begebenheiten gut nachfühlen und das Gedicht in der Musik wiederfinden. Trotz der vielen liebenswerten Details das große Ganze, den überspannenden musikalischen Handlungsbogen bzw. den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren, ist dann auch eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Das also waren und sind unter anderem die An- und Herausforderungen an uns als Ensemble. Bei allem Schaffen und Tun aber trägt uns immer wieder die wunderbare Zusammenarbeit menschlich harmonierender Individuen, der in der Formation Streichsextett entstehende besonders reiche, wunderbare Klang und die mögliche Farbvielfalt sowie diese einfach herrliche Komposition –  welch Schatz und welch Geschenk, sie so zusammen spielen zu dürfen!

Wir freuen uns, am 17. September zur offenen Probe im „Leeren Raum“ und am 30. September zum Kammerkonzert im Schloss Schönhausen dieses Werk mit Ihnen zu erleben!

Ein Beitrag von: Georg Boge