„Ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen auf der Welt, jede Nacht, wenn ich schlafen geh, hoff ich, nicht mehr zu erwachen.“

 

Spüre ich diesen Zeilen von Franz Schubert aus dem Jahr 1824 nach, überträgt sich seine Bedrücktheit unweigerlich auf mich selbst. In welchem Umfeld entstand wohl diese Musik, die wir heute fast alle im Ohr haben, die wir so sehr schätzen?

Felix Mendelssohn ist im Gegensatz zu Franz Schubert ein Kind des Glücks. Doch die Nachricht vom frühen Tod seiner geliebten Schwester Fanny bricht ihm das Herz. In keinem seiner Werke habe ich diese ohnmächtige Verzweiflung und Trauer erlebt, wie in seinem letzten Streichquartett. Nur der langsame Satz lässt uns atmen. Zart und zerbrechlich schön klingt er für mich wie eine Erinnerung an die gemeinsame glückliche Kindheit, die Felix Mendelssohn hier in tröstenden, das Gemüt besänftigenden Tönen zeichnet.

Dazwischen steht Dimitri Schostakowitsch. Ironisch beobachtend, leise distanziert. Die Klage wiegt trotzdem schwer und ist in ihrem Umfang nur zu erahnen.

Wir Musiker versuchen, aus all diesen vielen kleinen Bausteinen eine gemeinsame Idee zu schöpfen. Die Werke der Komponisten in deren Sprache zu erzählen, sie trotzdem in unsere Zeit zu holen.

Ein Beitrag von: Juliane Manyak